Ich bin kein Tüftler. Ich spielte als Kind nie mit einem Elektrobaukasten. Ich habe noch nie gelötet oder verdrahtet. Aber ich kann Stecker in die passenden Anschlüsse drücken. Das reicht, um Laptops von Framework zu nutzen. Ihre Superpower: Sie lassen sich reparieren.
Idee 1: Wenn ein einzelnes Bauteil in einem Gerät kaputt geht, wird das kaputte Teil ausgetauscht und das Gerät weiter benutzt.
Idee 2: Wenn ein einzelnes Bauteil in einem Gerät kaputt geht, wird das ganze Gerät weggeschmissen und neu gekauft.
Nennt mich Öko-Faschisten, aber mir gefällt Idee 1 besser.
Deswegen schreibe ich diese Zeilen auf einem Framework Laptop 13.
Für rund 1.000 Euro gibt es ein modernes Notebook, mit dem sich allerlei Dinge tun lassen, die mit so einem tragbaren Computer eben getan werden: das Internet unsicher machen, Videos schauen, Texte tippen, mal ein Foto bearbeiten, sogar ein paar Videospiele sind drin.
Lässt sich für das gleiche Geld bei anderen Herstellern mehr Leistung kaufen? Sicherlich. Können dann auch fast alle Bauteile selbst ausgetauscht werden? Eher nein. Manche Unternehmen lassen es noch zu, den Arbeitsspeicher oder die Festplatte zu wechseln. Bei Framework tausche ich das ganze Mainboard mit CPU aus, wenn in ein paar Jahren die gebotene Leistung nicht mehr ausreicht.
Der Akku schwächelt? Austauschen. Monitor, Wifi-Antennen und -Module, Tastatur, Trackpad, Lüfter, Fingerabdruck-Sensor, Lautsprecher, Gehäuse-Ober- und -Unterteil, Webcam: alles austauschbar.
Selbst die Anschlüsse am Gehäuse lassen sich mit Modulen frei belegen und je nach Einsatzzweck wechseln. Ich nutze aktuell einen USB-C, zwei USB-A und einen HDMI-Anschluss. Es gibt aber auch noch Varianten mit DisplayPort, Ethernet oder MicroSD. Weitere Module werden entwickelt.
Nur der Kopfhörer-Anschluss ist fest verbaut. Lässt sich bei Problemen aber natürlich auch tauschen. Dafür muss dann aber das Gehäuse geöffnet werden. Das geht mit ein paar Schrauben auf der Unterseite. Passendes Werkzeug wird mitgeliefert.
Beim neuen Framework Laptop 16 ist sogar die Grafikkarte austauschbar und die Tastatur kann individuell angepasst werden.
Rettet Framework damit die Umwelt? Ein einzelner kleiner Hersteller kann die Welt nicht alleine retten. Aber Framework zeigt eindrucksvoll, was möglich ist.
In vier Jahren hat das Start-Up aus San Francisco jährlich neue CPU-Versionen für den Framework Laptop 13 veröffentlicht. Wer vor vier Jahren ein Notebook bei ihnen gekauft hat, kann das Gehäuse heute noch genauso benutzen und nur die nötigen neuen Bauteile austauschen.
Wenn Framework es schafft, diese Kontinuität zu halten, ist mein aktueller Laptop vielleicht wirklich der letzte Laptop, den ich für viele Jahre kaufen muss.
Kann ich deswegen die Laptops von Framework bedenkenlos empfehlen? Es kommt drauf an.
Wer einfach nur einen Computer will, der funktioniert und sich möglichst niemals mit irgendwelchen Hardware- oder Software-Problemen beschäftigen will, ist aktuell noch bei anderen Herstellern besser aufgehoben.
Framework ist im Vergleich zu Apple, HP und Co. ein winziger Gegenspieler mit gerade einmal 50 Mitarbeitenden. Besonders das Zusammenspiel von Hardware und Software macht Framework aktuell noch zu schaffen. Das habe auch ich zu spüren bekommen.
Die ersten Monate stürzte mein Framework Laptop 13 mit neuem AMD-CPU regelmäßig ab, wenn ich das Touchpad benutzte. Mit einer externen Maus lief alles normal. Mit einem BIOS-Update wurde das Problem gelöst. Framework ist sich dem Problem bewusst und will neben langlebiger Hardware in Zukunft auch langlebige Software bieten.
Im April 2024 hat Framework neues Geld von Investoren eingesammelt, um neben Laptops weitere Produkte zu entwickeln. Einen ähnlichen Weg ging schon Fairphone. Nach mehreren Generationen modularer Smartphones stellten die Niederländer zwei reparierbare Kopfhörer vor.
Hoffentlich können sich beide Unternehmen weiter am Markt halten. Alternativen zur vorherrschenden Wegwerftechnik sind bitter nötig.
